Windräder auf grüner Wiese

Für viele Kunden und Endverbraucher ist das Thema “Nachhaltigkeit” beim Online-Shopping längst nicht mehr zweitrangig. Green Fulfillment, nachhaltige Verpackungen und ein umweltbewusstes Handeln der Unternehmen sind für sie oft ebenso wichtig, wie ein schneller Versand und die Qualität des Produktes selbst. E-Commerce-Shops und Logistikunternehmen verspüren daher einen immer größer werdenden gesellschaftlichen Anspruch, ihr Business nachhaltiger zu gestalten. Jedoch beschäftigt nachhaltiges Handeln zum Schutz der Umwelt auch immer mehr Unternehmen von innen heraus und Begriffe wie Corporate Social Responsibility (kurz: CSR) gehören bei vielen Marken und Dienstleistern längst zu den zentralen Werten der Corporate Identity. Die Erwartung der Kunden sowie die eigene Verantwortung für ein nachhaltiges Handeln, stellen Unternehmen verschiedener Größe dabei teilweise vor große Herausforderungen. Was es dabei mit den Begriffen “Nachhaltigkeit in der Logistik” auf sich hat, wird in diesem Beitrag erläutert.

 

Inhaltsverzeichnis:

  1. Ist Logistik eine Umweltbelastung?
  2. Warum Nachhaltigkeit in der Logistik für Unternehmen immer relevanter wird
  3. Nachhaltige Logistikanbieter: Was macht sie aus?
  4. Dank Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit in der Logistik
  5. Fazit

Ist Logistik eine Umweltbelastung?

Der Handel nimmt von Jahr zu Jahr stetig zu und damit steigt auch der Verbrauch verschiedenster Ressourcen immer weiter. Und diese Waren müssen bewegt werden, wodurch auf verschiedene Art und Weise CO2 freigesetzt und Energie verbraucht wird. Mit Beginn der Covid-19-Pandemie gab es einen großen Boom im E-Commerce, was diesen Effekt noch weiter verstärkt. Gleichzeitig gab es dadurch außerdem einen starken Anstieg an Verpackungsmüll. Jedoch sind dies alles Effekte, welche auch viele Chancen für E-Commerce- oder Logistikunternehmen bieten, um an verschiedenen Punkten im Supply-Chain-Management nachhaltiger zu handeln und mit einfachen Mitteln nachhaltiger zu werden.

Warum Nachhaltigkeit in der Logistik für Unternehmen immer relevanter wird

Nachhaltigkeit spielt besonders für die Generation der Millennials eine immer relevantere Rolle. So ergab eine Studie von PWC, dass zwei Drittel der befragten Millennials beim Einkauf auf Nachhaltigkeit achten. Nach Qualität und Preis stellt der Faktor Nachhaltigkeit dabei laut der Studie das drittwichtigste Kriterium beim Einkauf dar. Gleichzeitig gaben in einer Studie von KPMG 85 Prozent der befragten Personen an, sich selbstständig über Nachhaltigkeitsthemen zu informieren und laut bitkom würden 86 Prozent gerne und freiwillig Mehrwegkartons verwenden, um die Umwelt zu entlasten und nachhaltiger zu handeln. Betrachtet man all diese Faktoren zusammenhängend, ergibt sich schnell ein klares Bild in Bezug auf die Nachhaltigkeitsbedürfnisse dieser kaufstarken Zielgruppe.

Gerade für den E-Commerce, dem sich in den vergangen zwei Jahren immer mehr Kundinnen und Kunden zuwandten, rückte der Nachhaltigkeitsaspekt, angesichts stark wachsender Bestellmengen und des hohen Bedarfs an Ressourcen, immer mehr in den Fokus. Aus diesem Grund verankern immer mehr große E-Commerce-Shops das Thema Nachhaltigkeit auch immer fester in ihrer Corporate Identity – und setzen kleinere- und mittlere E-Commerce-Unternehmen damit verstärkt unter Zugzwang. Besonders der Begriff “Ressourcen” sollte hier Stark in den Fokus der Verantwortlichen rücken, denn ressourcenschonendes Handeln und somit eine Senkung der Kosten kommt letzten Endes auch den Gewinnen von Unternehmen zu Gute. Dabei richtet sich das Augenmerk auch auf das Fulfillment von Waren. Kundinnen und Kunden sehen hier vor allem verstärkt die Unternehmen selbst in der Verantwortung nachhaltig zu handeln und entsprechende, nachhaltige Versandmöglichkeiten entwickeln und anzubieten. Dies beinhaltet dabei zum Beispiel Faktoren wie nachhaltige und wiederverwendbare Verpackungen, aber auch CO2-neutrale Last-Mile-Zustellungen per E-Lastenrad wie sie beispielsweise der Paketlieferdienst Hermes bereits in einigen deutschen Städten testet.

Hermes Zusteller testet den Mubea-Prototypen eCargo in Leipzig (Foto: Hermes)

Nachhaltige Logistikanbieter: Was macht sie aus?

Einer der zentralen Faktoren des nachhaltigen Handels ist nachhaltiges Ressourcenmanagement. Jedoch spielen aus Sicht von Konsument*innen und anderen Stakeholdern auch weitere Faktoren eine Rolle, wenn es um die Bewertung eines Unternehmens als “nachhaltig” geht. In diesem Zusammenhang soll deshalb noch einmal genauer der Begriff der “Corporate Social Responsibility” eingegangen werden. Der Begriff CSR beschreibt im Grunde ein eigenverantwortliches Handeln, welches auf freiwilliger Basis in die unternehmerischen Prozesse integriert wird, um soziale und ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Neben dem umweltbewussten Handeln, welches zum Beispiel die Reduzierung von Verpackungsmüll oder das Einsparen von Treibhausemissionen beinhaltet, bezieht sich dieser Begriff also auch auf soziale und unternehmerische Faktoren. Logistikunternehmen, die nachhaltig handeln möchten, können  beispielsweise auf Diversity in Einstellungsprozessen oder nachhaltiges Storage- & Prozessmanagement im Tagesgeschäft achten. Der Begriff der Corporate Social Responsibility kann dabei in enger Verbindung mit dem der Environmental Social Governance (kurz: ESG) gesehen werden. Die CSR-/ESG-Faktoren lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Environmental (Umweltaspekte) Social (Soziale Aspekte) Governance (Unternehmerische Aspekte)
Reduzierung von Umweltverschmutzung Reduzierung von Umweltverschmutzung Hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Nachhaltiges Beschaffungsmanagement
Reduzierung von CO2-Emissionen Diversity in Einstellungsprozessen Nachhaltiges Ressourcenmanagement
Verwendung von energieeffizienten Fahrzeugen und Techniken Einhaltung zentraler Arbeitsrechte Vielfalt und interne Chancengleichheit
Effizienter Umgang mit Energie und Rohstoffen Faire Bedingungen am Arbeitsplatz; angemessene Entlohnung Nachhaltiges Prozessmanagement

Dank Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit in der Logistik

Geht es um die langfristige Einführung von ESG-Faktoren im unternehmerischen Alltag, herrscht bei vielen Firmen noch angst vor steigenden Kosten, dabei sollten Changeprozesse vielmehr als Chance gesehen werden. Denn einer der möglichen Hebel zu mehr Nachhaltigkeit nennt sich Digitalisierung. Diese schreitet in sämtlichen Branchen mit nahezu bahnbrechender Geschwindigkeit voran und macht auch vor der Logistikbranche nicht Halt. Dabei können digitale Technologien maßgeblich zur Verbesserung von Nachhaltigkeitsfaktoren beitragen. Dazu zählen unter anderem Cloud-Technologien, digitales WarenTracking, automatisiertes Warenmanagement oder ERP-Systeme. Die strategische Planung von Digitalisierungsprozessen bietet Unternehmen also insgesamt zahlreiche Chancen, ihre eigenen Prozesse zu optimieren. Dabei gibt es jedoch nicht “die eine” Masterlösung. Digitalisierungprozesse müssen je nach Geschäftsmodell, der digitalen Infrastruktur, dem vorhanden Know-How und vielen weiteren Faktoren sinnvoll und überlegt abgewogen werden, um einen langfristigen und nachhaltigen Effekt zu generieren. 

Fazit

Holistisch betrachtet bietet die Logistik ein unglaubliches Potenzial, den Handel insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Vom Energie-Management, über das Verpackungsmaterial, bis hin zum Supply-Chain-Management und der Digitalisierung von verschiedenen Prozessen gibt es sehr viele Ansatzmöglichkeiten. Diese bedürfen zwar kurzfristigen Anpassungen und Investitionen, können sich aber im Regelfall langfristig positiv auf verschiedene Aspekte des Unternehmens auswirken und sind wichtig für dessen langfristiges Überleben.