Logistik 2021: Nachhaltigkeit im Fokus

 

Dr. Sigrid Nikutta, Vorstand im Bereich des Güterverkehrs der Deutschen Bahn AG, sprach auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2020 von einem historischen Zeitalter für Nachhaltigkeit in der Logistik. Da die Logistik- und Transportbranche laut einer WEF-Studien für rund 5,5 % aller CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird auch im Jahr 2021 ein wesentlicher Fokus auf eine nachhaltige Optimierung sämtlicher Logistikprozesse gelegt werden. Wie wichtig es dabei ist, sich als Unternehmen für faire und nachhaltige Bedingungen entlang der Lieferkette einzusetzen – Stichwort: Lieferkettengesetz – können Sie in unserem letzten Blogpost nachlesen.

 

Es ist essentiell, die gesamte Wertschöpfungskette in den Prozess einer nachhaltigeren Gestaltung miteinzubeziehen, denn neben Treibhausgasemissionen haben auch Faktoren wie Lärm, Feinstaubemissionen oder Luftschadstoffe großen Einfluss auf unsere Umwelt. Dabei lautet das Stichwort Green Logistics, sprich Ressourceneffizienz von Transport über die Intralogistik bishin zu Logistikimmobilien. In einer Studie des Fraunhofer Instituts konnten vor allem im Bereich einer ausgeklügelten und nachhaltigen Last-Mile-Logistik große Erfolgspotentiale identifiziert werden, um ressourcenschonender zu agieren.  

 

Was genau diese Trends beinhalten und ob eine nachhaltige Last-Mile-Logistik in der Praxis realisierbar ist, hat Warehousing1 in diesem Blogpost für Sie zusammengefasst.

 

Was ist mit Last-Mile-Logistik gemeint?

 

In der Last-Mile-Logistik oder auf Deutsch Logistik der letzten Meile genannt geht es um den Transport der Ware ab Lager bis zur Haustür. Diese letzte Meile so effizient und ressourcenschonend wie möglich zu gestalten, beschäftigt vor allem KEP-Dienstleister, deren Kernkompetenz in der finalen Paketzustellung liegt. Daher fällt das Retourenmanagement auch in den Bereich der Last-Mile-Logistik, da sich auch der Weg eines Pakets vom Kunden zurück zum Logistikzentrum negativ auf die Ressourcenbilanz auswirkt.

 

Die Last-Mile-Logistik in Zeiten von Urbanisierung – ein Ausblick

 

Zahlen aus einer McKinsey Studie aus dem vergangenen Jahr belegen, dass die Urbanisierung weiter fortschreitet und bis 2030 voraussichtlich 60 % aller Menschen in einer Stadt leben werden. Dadurch werden in den 100 größten Städten gut 36 % mehr Lieferfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein. Die Anzahl der Zustellungen in der Last-Mile-Logistik wird 2030 sogar um 78 % wachsen. Durch diese Entwicklungen wird gerade ein rasches Handeln der KEP-Dienstleister in Richtung Green Logistics gefordert.  

Quelle: McKinsey (vgl. https://logistik-heute.de/news/studie-anteil-der-letzte-meile-dienste-steigt-bis-2030-um-78-prozent-29442.html

 

Konzepte für eine nachhaltige Last-Mile-Logistik

 

Die Quote der Zustellerfolge hat während der Homeoffice-Regelungen in Zeiten der Coronapandemie ein Allzeithoch erfahren. Da im Falle einer gescheiterten Zustellung sowohl Kosten als auch CO2-Emissionen verursacht werden, ist es notwendig die Quote an erfolgreichen Zustellungen auch unter regulären Arbeitsbedingungen hochzuhalten. Um dies zu schaffen, sind die folgenden Trends wesentliche Bausteine auf dem Weg zu einer nachhaltigen Last-Mile-Logistik: 

 

  • Das Paketshop-Netz ausbauen: Paketshops in der direkten Nachbarschaft der Empfänger –  z.B. bei vielbesuchten Supermärkten oder Tankstellen – ermöglichen eine indirekte Zustellung an den Kunden. Dieser kann sich individuell aussuchen, zu welcher Zeit er sein Paket an der Paketstation bzw. dem Paketshop nach der Lieferung durch den KEP-Dienst abholen möchte und das beispielsweise mit dem Wocheneinkauf verbinden. So wirkt sich jeder nicht durchgeführte Lieferversuch nicht mehr negativ auf die CO2-Bilanz aus, da die letzte Meile von den Kunden selbst zurückgelegt wird.
  • Die Lager näher an den Kunden bringen: Durch die Platzierung von Micro-Hubs in der in urbanen Regionen mit hoher Nachfrage an bestimmten Produkten können Touren effizienter geplant werden. Liegt das Lager räumlich näher an der Wohnadresse des Kunden, kann eine Lieferung nicht nur schneller, sondern auch mit einem kürzeren Transportweg erfolgen. 
  • Auf elektrische Antriebe oder Fahrradkuriere setzen: Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das Projekt “KoMoDo” aus Berlin, bei dem die Paketdienstleister DHL, DPD, Hermes, UPS und GLS die letzte Meile per Cargo-Bikes ausgehend von einem Mikro-Depot zu 100% klimaneutral zurücklegten. 
  • Leerfahrten vermeiden: Dieser Punkt kann vor allem dadurch erreicht werden, das Zustellgebiet eng zu begrenzen. Durch kurze Wege sinkt die Chance langer Leerfahrten und die körperliche Belastung der Zusteller auf beispielsweise Lastenrädern sinkt. Gerade diesem Bereich haben sich etliche Startups verschrieben. Auch das Einhorn Sennder z.B. will – zwar nicht auf der letzten Meile, sondern generell im Transportbereich – Leerfahrten identifizieren und eindämmen.
  • Zeitfenster-Zustellungen:  Obwohl die Hermes Tochter Liefery in Berlin bis Ende Februar eingestellt wird, ist das Konzept besonders ressourcenschonend. Bestellte Waren in nur 90 Minuten bis zu den Endkunden zu bringen, reduziert effektiv scheiternde Zustellversuche und spart Treibhausemissionen ein. Das macht sich auch der Lebensmittel-Expresshändler Gorillas zu Nutze, der Lebensmittel zu Supermarktpreisen in nur 10 Minuten an seine Kunden liefert.

 

 

Fazit 

 

Durch die zunehmende Verstädterung und den steigenden Bestellzahlen im Onlinehandel wird die Transportbranche einen stetigen Aufschwung in Zukunft erfahren. Gleichzeitig werden Gesetze von Regierungen erlassen, die einerseits das Stadtbild schützen und gleichzeitig das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund bringen werden, um die vordefinierten EU Klimaziele 2030 zu erreichen und den Weg in Richtung Klimaneutralität bis 2050 zu ebnen.  

Auch von der Kundenseite steigen die Anforderungen hinsichtlich der Transparenz in der Supply Chain und damit auch das Bewusstsein zum ökologischen Fußabdruck der jeweils eingekauften Produkte. Somit werden auch produzierende Unternehmen diese Kundenanforderungen auf die eigenen Logistikdienstleister übertragen. Ebenso werden für Logistikdienstleister final auch Kostengründe Treiber sein, um die Effizienz in den eigenen Prozessen stetig zu optimieren und somit automatisch die eigenen Dienstleistungen nachhaltiger zu gestalten. Die Wirtschaft muss sich diesen Entwicklungen stellen und proaktiv auf die neuen Trends Antworten und Lösungen finden – die Kunden und nicht zuletzt die Umwelt verlangen es.

 

Sie merken schon jetzt, dass Ihre Kunden vermehrt nachhaltigere Zustelloptionen einfordern? Oder wollen Sie Ihr Unternehmen strategisch auf ein nachhaltigeres Sortiment inklusive umweltfreundlicher Logistik ausrichten? Unsere Account Manager beraten Sie gerne, wie Ihre logistischen Prozesse nachweislich optimiert und dadurch umweltfreundlicher gestaltet werden können.