Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 12 Minuten
Kurz zusammengefasst: Black Friday fällt 2026 auf den 27. November, Cyber Monday auf den 30. November. Ob Ihr Fulfillment diese Tage schafft, lässt sich an vier Werten ablesen: der erwarteten Auftragsmenge am stärksten Tag, der realen Tageskapazität im Lager, dem Bestand an Schnelldrehern und der Abholkapazität Ihrer Paketdienste. Diese Checkliste zeigt, wie Sie jeden Wert ermitteln und was im Oktober noch umsetzbar ist.
Vom 23. November bis 6. Dezember 2026 berechnet DHL Paket seinen Geschäftskunden 50 Cent pro Sendung zusätzlich. Dieser sogenannte Peak-in-Peak-Zuschlag kommt obendrauf auf den regulären Peak-Zuschlag, der im gesamten November und Dezember gilt. Der Paketdienst preist die Black Week und Cyber Week also gesondert ein, weil er dort mit den höchsten Mengen des Jahres rechnet.
In Ihrem Lager passiert in denselben zwei Wochen das Gleiche. Nur gibt es dort keinen Zuschlag, der die Mehrarbeit bezahlt. Es gibt Rückstände, Überstunden und verspätete Pakete, wenn die Kapazität nicht reicht.
Dieser Artikel ist eine Kapazitäts-Checkliste für die Peak Season 2026. Sie richtet sich an Online-Händler mit eigenem Lager und an Händler, die mit einem Fulfillment-Dienstleister arbeiten. Es geht um Durchsatz, Personal, Lagerplatz und Versand. Rabattstrategie, Kampagnenplanung, LUCID-Registrierung und das Vernichtungsverbot behandeln wir in einem eigenen Beitrag: 10 Dinge für Black Friday.
Inhalt
- Zeitplan: Was bis wann geprüft sein sollte
- Schritt 1: Die Auftragsspitze aus eigenen Daten berechnen
- Schritt 2: Tageskapazität und Rückstau prüfen
- Schritt 3: Personal planen
- Schritt 4: Lagerreserven, Wareneingang und Nachschub
- Schritt 5: Paketdienste, Abholung und Zuschläge
- Schritt 6: Retouren im Dezember und Januar
- Schritt 7: Systeme und Schnittstellen
- Fragen an Ihren Fulfillment-Dienstleister
- Was im Oktober noch geht
- Die Checkliste zum Abhaken
- Häufige Fragen
Peak Season 2026: Zeitplan für die Kapazitätsprüfung
Die Termine 2026 in der Übersicht: Black Friday ist am Freitag, 27. November. Cyber Monday folgt am 30. November. Viele Händler starten ihre Aktionen bereits einige Tage vorher, daher deckt sich der DHL-Zeitraum ab dem 23. November gut mit der Phase, in der die Auftragszahlen steigen.
Die folgende Tabelle zeigt, wann welche Prüfung sinnvoll ist. Die Zeitfenster sind Richtwerte aus der Praxis, keine festen Fristen. Ihre eigenen Lieferzeiten und Vorlaufzeiten gehen vor.
| Zeitraum | Was ansteht | Warum zu diesem Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Juli bis August | Prognose aus Vorjahresdaten, Bestellungen für Saisonware, Gespräch mit dem Fulfillment-Dienstleister | Ware aus Fernost braucht per Seefracht inklusive Produktion oft mehrere Monate |
| September | Personal anfragen, Packmaterial bestellen, Termin mit Paketdiensten | Personaldienstleister und Verpackungslieferanten sind ab Oktober stark ausgelastet |
| Bis 21.10.2026 (nur Amazon FBA) | Ware in Amazons europäischen Logistikzentren angeliefert | Voraussetzung für das Prime-Badge in der Black-Friday-Woche |
| Oktober | Kapazitätsrechnung, Probeschicht, Lagerplätze umstellen, Systemtests | Es bleibt Zeit, Engpässe noch zu beheben |
| Bis Mitte November | Wareneingang abschließen, Aushilfen einarbeiten, Systemänderungen stoppen | Ab dem 23. November konkurrieren Eingang und Ausgang um dieselben Leute und Rampen |
| 23.11. bis 06.12.2026 | Peak-Betrieb mit täglichem Blick auf den Rückstand | Höchste Auftragsmengen und Peak-in-Peak-Zuschlag bei DHL |
| Dezember | Letzte Versandtermine vor Weihnachten im Shop anzeigen | Paketdienste veröffentlichen eigene Stichtage |
| Januar | Retouren bearbeiten, Bestand bereinigen | Rücksendungen aus dem Weihnachtsgeschäft kommen gebündelt zurück |
Schritt 1: Die Auftragsspitze aus eigenen Daten berechnen
Der Handelsverband Deutschland rechnete für Black Friday und Cyber Monday 2025 mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Das war knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr und der erste Rückgang seit Beginn der Erhebung 2016. Für Ihr Lager sagt diese Zahl wenig. Dort zählt, wie viele Aufträge an Ihrem stärksten Tag eingehen.
Diese Zahl liegt in Ihrem Shopsystem. Exportieren Sie den Bestelleingang pro Tag für November und Dezember 2025. Nehmen Sie das Bestelldatum, nicht das Versanddatum, sonst sehen Sie nur, was Ihr Lager geschafft hat, und nicht, was ankam.
Den Peak-Faktor ermitteln
Teilen Sie die Aufträge Ihres stärksten Tages durch die Aufträge eines normalen Tages im Oktober. Das Ergebnis ist Ihr Peak-Faktor. Hatten Sie im Oktober 2025 im Schnitt 800 Aufträge pro Tag und am Black Friday 2.600, liegt der Faktor bei 3,25.
Dann rechnen Sie nach vorn:
- Normale Tagesmenge Oktober 2026 multipliziert mit dem Peak-Faktor aus 2025
- Plus Effekte, die 2025 nicht gab: neue Marktplätze, größere Kampagnen, ein höherer Rabatt
- Minus Effekte, die wegfallen: eingestellte Produktlinien oder Kanäle
Rechnen Sie drei Varianten durch: niedrig, erwartet und hoch. Die hohe Variante ist die, auf die Sie Personal und Packmaterial auslegen. Wenn die Marketingabteilung Newsletter-Termine oder Influencer-Kampagnen plant, tragen Sie diese Tage gesondert ein. Ein Newsletter an einem Dienstag kann dort eine zweite Spitze erzeugen, wo Sie keine erwarten.
Auch die Auftragsstruktur prüfen
Aufträge sind keine feste Einheit. Ein Auftrag mit fünf Positionen bindet einen Picker deutlich länger als einer mit einer Position. Vergleichen Sie deshalb die durchschnittlichen Positionen pro Auftrag in der Black Week 2025 mit einem normalen Monat. Ändert sich der Wert merklich, rechnen Sie Ihre Kapazität in Positionen statt in Aufträgen.
Schritt 2: Tageskapazität und Rückstau prüfen
Die Tageskapazität Ihres Lagers lässt sich mit einer einfachen Formel schätzen:
Personen × produktive Stunden × Aufträge pro Stunde = Aufträge pro Tag
Die produktiven Stunden liegen unter der Schichtlänge. Bei einer 8-Stunden-Schicht gehen mindestens 30 Minuten gesetzliche Pause ab, dazu kommen Rüstzeiten, Teambesprechungen und Wege. Die Aufträge pro Stunde nehmen Sie aus Ihrem WMS oder aus einer Zeitmessung, nicht aus dem Bauch.
Rechnen Sie diese Formel für jeden Prozessschritt einzeln: Kommissionierung, Verpackung, Etikettierung und Verladung. Der langsamste Schritt bestimmt die Kapazität des ganzen Lagers. Häufig ist das in kleinen Lagern der Packtisch, weil dort zusätzliche Arbeitsplätze fehlen, auch wenn genug Picker da sind.
Rechenbeispiel: So entsteht ein Rückstau
Ein fiktiver Shop schafft 2.450 Aufträge pro Tag: 10 Personen, 7 produktive Stunden, 35 Aufträge pro Stunde. Samstags arbeitet ein halbes Team, sonntags ruht das Lager. Die Eingangszahlen sind angenommen.
| Tag | Neue Aufträge | Kapazität | Rückstand am Abend |
|---|---|---|---|
| Fr, 27.11. (Black Friday) | 2.860 | 2.450 | 410 |
| Sa, 28.11. | 1.900 | 1.200 | 1.110 |
| So, 29.11. | 1.700 | 0 | 2.810 |
| Mo, 30.11. (Cyber Monday) | 2.400 | 2.450 | 2.760 |
| Di, 01.12. | 1.500 | 2.450 | 1.810 |
| Mi, 02.12. | 1.200 | 2.450 | 560 |
| Do, 03.12. | 1.000 | 2.450 | 0 |
Am Freitag fehlen nur 410 Aufträge. Das wirkt beherrschbar. Durch das Wochenende wächst der Rückstand aber auf über 2.800 Aufträge, und am Cyber Monday kommt fast genauso viel neu hinzu, wie das Lager abarbeitet. Eine Bestellung vom Freitagabend geht in diesem Szenario erst am Mittwoch raus.
Wenn Ihr Shop „Versand in 24 Stunden“ verspricht, sehen Sie an dieser Tabelle, wie viele Kunden dieses Versprechen nicht erfüllt bekommen. Dann haben Sie drei Stellschrauben: mehr Kapazität, eine Samstags- oder Zusatzschicht oder eine ehrliche Lieferzeitangabe im Shop für die Aktionswoche.
Wie groß der Puffer sein sollte
Eine pauschale Prozentzahl hilft hier wenig. Schauen Sie stattdessen, wie weit Ihre Prognose für 2025 von der tatsächlichen Menge abwich. Lagen Sie um 20 Prozent zu niedrig, sollte Ihr Kapazitätspuffer mindestens diese Abweichung abdecken. Wer keine Prognose für 2025 hatte, plant mit der hohen Variante aus Schritt 1.
Schritt 3: Personal planen
Mehr Personal ist der naheliegende Hebel. Er hat Grenzen, die Sie vorher kennen sollten.
Was das Arbeitszeitgesetz erlaubt
Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) begrenzt Überstunden enger, als viele Händler annehmen:
- Die werktägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist möglich, wenn im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen 8 Stunden pro Werktag nicht überschritten werden (§ 3 ArbZG).
- Bei mehr als 6 Stunden Arbeit sind 30 Minuten Pause Pflicht, bei mehr als 9 Stunden 45 Minuten (§ 4 ArbZG).
- Zwischen zwei Schichten müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen (§ 5 ArbZG).
- An Sonn- und Feiertagen gilt grundsätzlich ein Beschäftigungsverbot (§ 9 ArbZG). Ausnahmen sind eng gefasst und brauchen eine rechtliche Prüfung.
Werktage sind im Sinne des Gesetzes Montag bis Samstag. Eine Samstagsschicht ist also möglich, ein Sonntagseinsatz für normale Versandarbeit in der Regel nicht. Deshalb ist der Montag nach Black Friday im Rechenbeispiel oben der Tag mit dem höchsten Rückstand. Prüfen Sie außerdem Ihren Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen, diese können engere Regeln enthalten.
Aushilfen und Zeitarbeit
Personaldienstleister vergeben ihre Kräfte für November häufig schon im September und Oktober. Fragen Sie konkret nach der Zahl der Personen, dem ersten Einsatztag und ob dieselben Personen über die ganze Peak-Phase bleiben. Wechselnde Aushilfen müssen jedes Mal neu eingearbeitet werden.
Neue Kräfte erreichen in den ersten Tagen nicht die Leistung Ihres Stammteams. Wie groß der Unterschied ist, messen Sie am besten in einer Probeschicht im Oktober oder Anfang November. Setzen Sie für Aushilfen in Ihrer Kapazitätsformel die gemessene Leistung ein, nicht die Ihres Stammpersonals.
Ausfälle einrechnen
November und Dezember liegen in der Erkältungssaison. Ziehen Sie aus Ihren Personaldaten 2025 die Krankheitsquote für diese Wochen und kalkulieren Sie mit entsprechend weniger verfügbaren Köpfen. Legen Sie außerdem eine Urlaubssperre für die Peak-Wochen früh fest und kommunizieren Sie sie rechtzeitig.
Schritt 4: Lagerreserven, Wareneingang und Nachschub
Wareneingang vor dem Peak abschließen
Ein häufiger Fehler: Die Saisonware kommt Ende November an, genau dann, wenn alle Hände im Versand gebraucht werden. Ein Container, der am Black Friday entladen und eingelagert werden muss, kostet Stunden, die am Packtisch fehlen.
Planen Sie die großen Anlieferungen so, dass sie bis Mitte November eingelagert und im System buchbar sind. Sprechen Sie mit Lieferanten feste Anlieferfenster ab und fordern Sie Lieferavise an. Ware, die zwar im Lager steht, aber noch nicht eingebucht ist, kann der Shop nicht verkaufen.
Wer zusätzlich über Amazon FBA verkauft, hat eine frühere Frist: Die Ware muss bis 21. Oktober 2026 in Amazons europäischen Logistikzentren eingetroffen sein, damit sie in der Black-Friday-Woche für das Prime-Badge qualifiziert ist. Planen Sie diese Sendungen getrennt vom übrigen Wareneingang.
Lagerplatz prüfen
Rechnen Sie Ihren Spitzenbestand aus: aktueller Bestand plus geplante Anlieferungen bis zum Peak, abzüglich erwarteter Abverkäufe bis dahin. Vergleichen Sie das mit Ihren freien Stellplätzen und Fachböden.
Ein volles Lager wird langsam. Wenn Ware in Gänge oder auf Ausweichflächen ausweicht, steigen Such- und Einlagerzeiten. Ab welchem Füllstand das bei Ihnen beginnt, zeigen Ihre Daten aus 2025: An welchem Tag wurden Einlagerung und Kommissionierung messbar langsamer? Reicht der Platz nicht, brauchen Sie rechtzeitig eine Ausweichfläche oder müssen Langsamdreher vorübergehend auslagern.
Schnelldreher und Nachschub
In der Peak-Woche konzentriert sich ein großer Teil der Aufträge meist auf wenige Artikel. Welche das sind, sehen Sie in Ihrer Black-Week-Auswertung 2025 und in den geplanten Aktionsartikeln für 2026.
Für diese Artikel gilt eine einfache Regel: Der Kommissionierplatz sollte den Bedarf eines kompletten Peak-Tages fassen. Muss ein Platz dreimal am Tag aus der Reserve nachgefüllt werden, stehen Picker vor leeren Fächern, während jemand Nachschub fährt. Legen Sie die Aktionsartikel außerdem möglichst nah an die Packplätze. Das spart Laufwege bei jedem einzelnen Auftrag.
Kitting vor dem Peak
Sets und Bundles, die Sie in der Aktionswoche verkaufen, lassen sich im Oktober vorkonfektionieren. Ein Geschenkset aus drei Artikeln ist dann im Lager ein fertiger Artikel: ein Pick statt drei, und der Packtisch muss nichts mehr zusammenstellen. In der Black Week spart das bei jedem Set-Auftrag Zeit, und zwar genau in den Tagen, in denen Zeit am knappsten ist.
Zwei Dinge gehören dazu. Das fertige Set braucht eine eigene Artikelnummer in Shop und WMS. Und die Einzelteile im Set stehen für den Einzelverkauf nicht mehr zur Verfügung. Legen Sie die Menge deshalb nach der niedrigen oder erwarteten Prognose aus Schritt 1 fest, nicht nach der hohen. Sets wieder aufzulösen kostet ebenfalls Arbeitszeit.
Packmaterial und Verbrauchsmaterial
Kartons, Füllmaterial, Klebeband, Versandetiketten, Lieferscheinpapier, Druckerfarbbänder: Rechnen Sie den Verbrauch mit Ihrer hohen Prognose aus Schritt 1 und bestellen Sie früh. Verpackungslieferanten haben vor Weihnachten selbst Hochsaison. Ein fehlender Kartontyp kann eine komplette Packlinie aufhalten.
Prüfen Sie auch Beilagen wie Flyer, Gutscheinkarten oder Geschenkverpackung: Jede kostet pro Paket ein paar Sekunden. Bei 2.860 Aufträgen am Tag werden aus 5 Sekunden pro Paket fast 4 Stunden Arbeitszeit.
Die Pflichten zur Verpackungsregistrierung und weitere rechtliche Punkte stehen in unserem Artikel 10 Dinge für Black Friday.
Schritt 5: Paketdienste, Abholung und Zuschläge
Die Zuschläge 2026 einkalkulieren
DHL hat die Zeiträume für 2026 veröffentlicht. Der Peak-in-Peak-Zuschlag von 50 Cent pro Sendung gilt vom 23. November bis 6. Dezember 2026. Er wird unabhängig vom regulären Peak-Zuschlag erhoben, der in den Monaten November und Dezember anfällt und zuletzt 19 Cent pro Sendung betrug. Betroffen sind unter anderem DHL Paket, DHL Kleinpaket, DHL Paket International, DHL Europaket und die Retourenprodukte.
Ein Beispiel: Wer im Peak-in-Peak-Zeitraum 20.000 Pakete mit DHL verschickt, zahlt allein durch die beiden Zuschläge 13.800 Euro zusätzlich (20.000 × 0,69 Euro). Andere Paketdienste wie GLS, DPD und Hermes erheben ebenfalls saisonale Zuschläge, deren Höhe oft individuell im Vertrag festgelegt wird. Fragen Sie Ihren Ansprechpartner nach den genauen Werten und Zeiträumen für Ihren Vertrag.
Abholkapazität klären
Ein fertig gepacktes Paket nützt nichts, wenn es nicht abgeholt wird. Klären Sie mit jedem Paketdienst vor dem Peak:
- Wie viele Sendungen werden bei einer regulären Abholung mitgenommen, und ab welcher Menge braucht es eine Zusatzabholung oder eine Wechselbrücke?
- Verschieben sich die Abholzeiten in der Peak-Phase?
- Gibt es im Vertrag Mengenobergrenzen oder Kontingente für November und Dezember?
- Wer ist Ihr Ansprechpartner, wenn eine Abholung ausfällt?
Ihre Versand-Deadline im Lager hängt von der letzten Abholung ab. Wenn der Lkw um 17 Uhr kommt, muss alles bis 16:30 Uhr verladefertig sein. Rechnen Sie Ihre Kapazität bis zu dieser Uhrzeit, nicht bis Schichtende.
Einen zweiten Paketdienst vorbereiten
Wer nur mit einem Paketdienst arbeitet, hat bei Annahmestopps oder Ausfällen keine Ausweichmöglichkeit. Ein zweiter Dienstleister lässt sich aber nicht am Black Friday aktivieren. Vertrag, Etikettendruck aus dem WMS, Schnittstelle zum Shop für die Sendungsverfolgung: Das alles muss vorher getestet sein.
Letzte Versandtermine vor Weihnachten
Die Paketdienste veröffentlichen jedes Jahr Stichtage, bis zu denen eine Zustellung vor Heiligabend realistisch ist. Prüfen Sie diese Termine für 2026, sobald sie verfügbar sind, und rechnen Sie Ihre interne Bearbeitungszeit davor. Zeigen Sie den daraus folgenden Bestellschluss gut sichtbar im Shop an.
Schritt 6: Retouren im Dezember und Januar
Mehr Aufträge im November bedeuten mehr Rücksendungen im Dezember und Januar. Viele Händler verlängern zudem die Rückgabefrist für Weihnachtseinkäufe, wodurch sich Retouren bis weit in den Januar ziehen.
Zwei Punkte gehören in die Kapazitätsplanung:
- Retouren, die bis Mitte Dezember zurückkommen, sind verkaufbarer Bestand für das Weihnachtsgeschäft. Bleiben sie unbearbeitet liegen, fehlt die Ware im Shop.
- Im Januar laufen Aushilfsverträge oft aus, während die Retourenwelle ihren Höhepunkt erreicht. Planen Sie dafür eigenes Personal ein.
Für Rücksendungen, die sich nicht mehr verkaufen lassen, gelten seit 2026 neue EU-Vorgaben zur Vernichtung. Welche Händler und Produktgruppen betroffen sind, steht in unserem Beitrag EU-Vernichtungsverbot für Retouren: Was Online-Händler 2026 wissen müssen.
Rechnen Sie die erwartete Retourenmenge mit Ihrer Retourenquote aus 2025 und der Auftragsprognose aus Schritt 1. Beachten Sie auch, dass die DHL-Zuschläge für die Peak-Phase ebenfalls für DHL Retoure gelten, falls Sie die Rücksendekosten tragen.
Schritt 7: Systeme und Schnittstellen
Ein Ausfall der Schnittstelle zwischen Shop und Lagerverwaltung stoppt den Versand, auch wenn genug Personal da ist. Prüfen Sie bis Ende Oktober:
- Hält die Schnittstelle Shop zu WMS die Auftragsmenge Ihrer hohen Prognose? Fragen Sie Ihren Dienstleister oder Entwickler nach einem Lasttest.
- Laufen Etikettendruck und Sendungsdaten an alle Paketdienste fehlerfrei?
- Wie oft gleicht das WMS den Bestand mit Shop und Marktplätzen ab? Läuft der Abgleich nur stündlich, kann eine starke Aktionsstunde Ware verkaufen, die längst weg ist. Kürzere Intervalle oder ein Sicherheitsbestand, der für Aktionsartikel nicht online angezeigt wird, verhindern Überverkäufe.
- Gibt es Ersatz für Etikettendrucker und Handscanner, und ist Verbrauchsmaterial dafür vorrätig?
- Ab wann gilt ein Änderungsstopp für Shop, WMS und Schnittstellen? Neue Plugins oder Updates eine Woche vor Black Friday sind ein vermeidbares Risiko.
Legen Sie außerdem fest, wer bei einem Systemausfall am Wochenende erreichbar ist. Eine Telefonnummer, die am Samstag niemand abnimmt, hilft im Ernstfall nicht.
Fragen an Ihren Fulfillment-Dienstleister
Wenn ein Dienstleister Ihr Lager betreibt, verlagert sich die Kapazitätsfrage, sie verschwindet aber nicht. Der Dienstleister bedient in der Peak-Phase viele Händler gleichzeitig. Diese Fragen sollten Sie vor November beantwortet haben:
- Mit welcher Auftragsmenge plant der Dienstleister für Ihren Shop, und auf welcher Grundlage?
- Bis wann müssen Sie Ihre Prognose melden, und was passiert, wenn Sie deutlich darüber liegen?
- Welche Versandzeiten gelten in der Peak-Phase vertraglich, und weichen sie vom Normalbetrieb ab?
- Bis wann muss Ware angeliefert sein, damit sie vor dem 23. November eingelagert ist?
- Welche Peak-Zuschläge der Paketdienste werden in welcher Höhe an Sie weitergegeben?
- Wie werden Retouren im Januar bearbeitet, und in welcher Zeit?
Ein Wechsel des Fulfillment-Dienstleisters wenige Wochen vor Black Friday ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Umzug der Ware, Anbindung der Systeme und Einarbeitung brauchen Zeit, und viele Dienstleister nehmen kurz vor der Peak-Phase keine neuen Kunden mehr auf. Wer über einen Wechsel nachdenkt, plant ihn für das erste Quartal 2027 und hat bis zur nächsten Peak Season genug Vorlauf.
Was im Oktober noch geht
Wenn Sie diesen Artikel im Oktober 2026 lesen, bleiben bis Black Friday rund sieben Wochen. Einige Maßnahmen aus dem Zeitplan sind dann nicht mehr realistisch: Lagerumzüge, ein neues WMS oder Nachbestellungen mit langer Seefracht. Vieles andere schon. In dieser Reihenfolge:
- Peak-Faktor aus 2025 berechnen und die Rückstau-Tabelle für Ihren Shop aufstellen. Das dauert einen halben Tag und zeigt, wie groß die Lücke ist.
- Aushilfen oder Zeitarbeitskräfte verbindlich buchen und eine Probeschicht einplanen.
- Termin mit den Paketdiensten machen: Abholzeiten, Zusatzabholungen, Zuschläge.
- Packmaterial für die hohe Prognose bestellen.
- Anlieferungen terminieren, damit der Wareneingang bis Mitte November abgeschlossen ist.
- Lagerplätze der Aktionsartikel prüfen und umstellen.
- Sets und Bundles für die Aktionswoche vorkonfektionieren.
- FBA-Sendungen so abschicken, dass sie bis 21. Oktober bei Amazon eintreffen.
- Änderungsstopp für Shop und Systeme festlegen.
- Lieferzeitangaben im Shop für die Aktionswoche anpassen, falls die Rückstau-Rechnung Verzögerungen zeigt.
Die Checkliste zum Abhaken
Die Punkte aus diesem Artikel in Kurzform. Eine ausführlichere Fassung finden Sie in unserer Checkliste für Black Friday und Cyber Monday.
Prognose
- ☐ Bestelleingang pro Tag für November und Dezember 2025 exportiert
- ☐ Peak-Faktor berechnet
- ☐ Drei Szenarien für 2026 (niedrig, erwartet, hoch) aufgestellt
- ☐ Kampagnentermine des Marketings eingetragen
- ☐ Positionen pro Auftrag mit Normalmonat verglichen
Kapazität und Personal
- ☐ Kapazität je Prozessschritt berechnet, Engpass benannt
- ☐ Rückstau-Tabelle für Black Friday bis Donnerstag danach erstellt
- ☐ Puffer aus der Prognoseabweichung 2025 abgeleitet
- ☐ Aushilfen gebucht, Einsatztage bestätigt
- ☐ Probeschicht durchgeführt, Leistung neuer Kräfte gemessen
- ☐ Schichtplan geprüft (ArbZG, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung)
- ☐ Urlaubssperre kommuniziert
Lager
- ☐ Anlieferungen bis Mitte November terminiert
- ☐ FBA-Ware bis 21. Oktober bei Amazon angeliefert (falls relevant)
- ☐ Spitzenbestand mit freien Lagerplätzen abgeglichen
- ☐ Kommissionierplätze der Aktionsartikel fassen einen Peak-Tag
- ☐ Aktionsartikel nah an den Packplätzen eingelagert
- ☐ Sets und Bundles vorkonfektioniert, eigene Artikelnummern angelegt
- ☐ Zeitaufwand für Beilagen und Geschenkverpackung eingerechnet
- ☐ Packmaterial für die hohe Prognose vorrätig
Versand, Retouren, Systeme
- ☐ Zuschläge 2026 aller Paketdienste kalkuliert
- ☐ Abholzeiten und Zusatzabholungen vereinbart
- ☐ Zweiter Paketdienst getestet
- ☐ Letzte Versandtermine vor Weihnachten im Shop eingeplant
- ☐ Personal für Retouren im Januar eingeplant
- ☐ Schnittstellen getestet, Ersatzgeräte vorhanden
- ☐ Intervall des Bestandsabgleichs zu Shop und Marktplätzen geprüft
- ☐ Änderungsstopp und Notfallkontakte festgelegt
Ihr Lager vor der Peak Season 2026 prüfen lassen
Die Rückstau-Rechnung zeigt in den meisten Fällen schnell, wo es eng wird: beim Personal, am Packtisch, bei der Abholung oder im Wareneingang. Schwieriger ist die Frage, welche Maßnahme in der verbleibenden Zeit den größten Unterschied macht.
Wenn Sie Ihre Zahlen mit jemandem durchgehen möchten, der Peak-Phasen aus dem Lageralltag kennt, sprechen Sie mit einem unserer Fulfillment-Spezialisten. Wir schauen gemeinsam auf Ihre Prognose, Ihre Kapazität und Ihren Versand und klären, ob Ihr aktuelles Setup die Peak Season 2026 trägt oder wo Sie nachsteuern sollten.
Für die kommerzielle Seite der Aktionstage: 10 Dinge für Black Friday.
Häufige Fragen zur Peak Season 2026
Wann ist Black Friday 2026?
Black Friday fällt 2026 auf Freitag, den 27. November. Cyber Monday ist am 30. November. Viele Händler starten ihre Aktionen bereits in den Tagen davor, weshalb die Black Week bei Paketdiensten wie DHL ab dem 23. November als Spitzenzeitraum gilt.
Wie hoch sind die DHL-Zuschläge in der Peak Season 2026?
Für Geschäftskunden gilt im November und Dezember ein Peak-Zuschlag pro Sendung, zuletzt 19 Cent. Vom 23. November bis 6. Dezember 2026 kommt der Peak-in-Peak-Zuschlag von 50 Cent pro Sendung hinzu. Die Zuschläge betreffen auch Retouren und Kleinpakete. Maßgeblich sind die Angaben in Ihrem Vertrag und auf der Zuschlagsseite von DHL.
Wie berechne ich, ob mein Lager Black Friday schafft?
Berechnen Sie den Peak-Faktor aus Ihren Daten von 2025, also die Aufträge am stärksten Tag geteilt durch einen normalen Tag. Multiplizieren Sie Ihre aktuelle Tagesmenge damit und vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrer Tageskapazität (Personen × produktive Stunden × Aufträge pro Stunde). Eine Tabelle über die Tage von Freitag bis Donnerstag zeigt, wie lange ein Rückstand bestehen bleibt.
Darf mein Lager am Sonntag nach Black Friday arbeiten?
Grundsätzlich nicht. Das Arbeitszeitgesetz verbietet die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen, Ausnahmen sind eng begrenzt. Samstag gilt dagegen als Werktag. Lassen Sie Sonderregelungen im Einzelfall rechtlich prüfen.
Wann sollte ich mit der Vorbereitung auf die Peak Season beginnen?
Für Wareneinkauf mit langen Lieferzeiten im Sommer, für Personal und Packmaterial im September. Kapazitätsrechnung, Probeschicht und Systemtests sind im Oktober noch gut machbar. Der Wareneingang sollte bis Mitte November abgeschlossen sein.
Lohnt sich ein Wechsel zum Fulfillment-Dienstleister kurz vor Black Friday?
In den meisten Fällen nicht. Warenumzug, Systemanbindung und Einarbeitung brauchen mehrere Wochen, und viele Dienstleister nehmen kurz vor der Peak-Phase keine neuen Kunden auf. Ein Wechsel lässt sich besser im ersten Quartal planen.


