Eine Kommissionierstation ist der Bereich in einem Lager, an dem Artikel für die Kommissionierung bereitgestellt und bearbeitet werden. Statt selbst durch Regalgänge zu laufen, arbeitet der Kommissionierer hier meist an einem festen Arbeitsplatz.
Besonders verbreitet sind Ware-zur-Person-Kommissionierstationen, bei denen eine Fördertechnik die benötigten Artikel automatisch zur Station bringt. Für Unternehmen, die Kommissionierprozesse planen oder Lagerkonzepte vergleichen, ist das Verständnis dieser Stationen ein wichtiger Baustein.
Gerade im E-Commerce, wo viele Aufträge mit wenigen Artikeln pro Position bearbeitet werden, kann die Wahl der richtigen Kommissioniermethode einen spürbaren Unterschied für Durchsatz und Lieferzeiten machen.

An einer Ware-zur-Person-Kommissionierstation liefert eine Fördertechnik Behälter automatisch zum Kommissionierer.
Was ist eine Kommissionierstation?
Eine Kommissionierstation ist ein fest eingerichteter Arbeitsplatz, an dem Artikel für Aufträge zusammengestellt werden. Statt dass der Kommissionierer selbst zu den Lagerplätzen läuft, werden ihm die benötigten Artikel oder Behälter direkt an die Station geliefert.
Am häufigsten kommen dabei Ware-zur-Person-Systeme zum Einsatz. Eine Fördertechnik, etwa ein Shuttle- oder Regalsystem, transportiert Behälter automatisch zur Station. Dort greift der Kommissionierer die benötigten Artikel manuell heraus und legt sie in den entsprechenden Auftragsbehälter, den sogenannten Pickvorgang.
Der Begriff Kommissionierstation wird sowohl für einzelne Arbeitsplätze als auch für ganze Bereiche mit mehreren parallel arbeitenden Stationen verwendet. Wie viele Stationen benötigt werden, hängt vom Auftragsvolumen und der gewünschten Kommissionierleistung ab.
Ware-zur-Person und Person-zur-Ware im Vergleich
Beim klassischen Person-zur-Ware-Prinzip läuft der Kommissionierer selbst durch die Regalgänge, um Artikel an ihrem Lagerplatz abzuholen. Dieses Verfahren ist einfach umzusetzen, verursacht aber vergleichsweise viele Wegezeiten, besonders bei großen Lagerflächen.
Beim Ware-zur-Person-Prinzip übernimmt die Fördertechnik den Weg zum Lagerplatz, während der Kommissionierer an der Station bleibt. Dadurch entfallen viele Laufwege, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Fördertechnik, Steuerungssoftware und die Gestaltung der Station selbst.
In der Praxis schließen sich beide Prinzipien nicht gegenseitig aus. Viele Lager kombinieren Kommissionierstationen für schnelldrehende Artikel mit klassischer Person-zur-Ware-Kommissionierung für Artikel, die seltener nachgefragt werden oder sich schlecht automatisieren lassen.
Aufbau und Funktionsweise einer Kommissionierstation
Eine Kommissionierstation besteht in der Regel aus einem Arbeitsplatz mit Zugang zur Fördertechnik, Ablageflächen für Auftragsbehälter sowie einem System, das dem Kommissionierer anzeigt, welcher Artikel in welcher Menge zu entnehmen ist.
Ablauf eines Pickvorgangs
Ein Behälter mit Artikeln wird automatisch zur Station transportiert. Der Kommissionierer entnimmt die angezeigte Menge des benötigten Artikels und legt sie in den Auftragsbehälter. Anschließend wird der Artikelbehälter zurück ins Lager transportiert oder für weitere Pickvorgänge bereitgehalten.
Je nach System wird der Kommissionierer durch Anzeigen, Lichtsignale oder Sprachansagen unterstützt, um Fehler bei der Entnahme zu reduzieren und den Pickvorgang zu beschleunigen.
Manche Kommissionierstationen sind zusätzlich mit Waagen oder Kamerasystemen ausgestattet, die die entnommene Menge automatisch kontrollieren und so die Kommissioniergenauigkeit weiter erhöhen.
Praxisbeispiel
Ein Fulfillment-Zentrum bearbeitet täglich viele kleinteilige E-Commerce-Bestellungen. Statt Kommissionierer durch lange Regalgänge laufen zu lassen, werden Behälter mit häufig bestellten Artikeln über eine Fördertechnik automatisch zu mehreren Kommissionierstationen gebracht.
An jeder Station entnehmen Mitarbeitende die benötigten Artikel für die jeweiligen Aufträge und legen sie in die passenden Versandbehälter. Da die Wegezeiten zu den Lagerplätzen entfallen, können an einer Station in kurzer Zeit viele Pickvorgänge abgewickelt werden.
Bei einem plötzlichen Anstieg des Bestellaufkommens, etwa während einer Rabattaktion, kann das Fulfillment-Zentrum zusätzliche Mitarbeitende an weiteren Kommissionierstationen einsetzen, ohne die Fördertechnik selbst anpassen zu müssen.
Einsatz in Lagerhaltung, Fulfillment und E-Commerce
Kommissionierstationen werden vor allem dort eingesetzt, wo viele Aufträge mit kleinteiligen Artikeln in kurzer Zeit bearbeitet werden müssen, etwa im E-Commerce-Fulfillment oder in Ersatzteillagern.
- E-Commerce-Fulfillment mit hohem Auftragsvolumen
- Kommissionierung von Kleinteilen und Zubehör
- Lager mit stark schwankendem Bestellaufkommen
- Automatisierte Lagerbereiche mit Shuttle- oder Regalsystemen
- Kombination mit Verpackungs- und Versandprozessen
In vielen Lagern werden Kommissionierstationen mit klassischer Person-zur-Ware-Kommissionierung kombiniert, etwa wenn ein Teil des Sortiments für automatisierte Systeme geeignet ist und ein anderer Teil weiterhin klassisch kommissioniert wird.
Auch bei der Bearbeitung von Retouren können Kommissionierstationen genutzt werden, etwa um zurückgesendete Artikel wieder ins Lagersystem einzubuchen und für neue Aufträge verfügbar zu machen.
Planungsüberlegungen
Bevor ein Lager auf Kommissionierstationen mit Ware-zur-Person-Prinzip umgestellt wird, sollten Unternehmen mehrere Faktoren berücksichtigen, die über die reine Fördertechnik hinausgehen.
- Anzahl der SKUs und Eignung für automatisierte Lagerung
- Erwartetes und saisonales Auftragsvolumen
- Investitionskosten für Fördertechnik und Steuerungssoftware
- Ergonomie und Arbeitsbedingungen an der Station
- Ausfallsicherheit und Wartung der technischen Systeme
Eine realistische Einschätzung dieser Punkte hilft dabei zu entscheiden, ob und in welchem Umfang sich Kommissionierstationen für ein bestimmtes Lager eignen.
Auch die langfristige Entwicklung des Sortiments sollte mitgedacht werden, da sich automatisierte Systeme meist schwerer nachträglich anpassen lassen als klassische Regallagerung. Wird ein System zu knapp dimensioniert, kann dies spätere Erweiterungen erschweren oder verteuern.
Vorteile und Grenzen
Kommissionierstationen mit Ware-zur-Person-Prinzip reduzieren Wegezeiten deutlich und ermöglichen dadurch eine höhere Kommissionierleistung pro Mitarbeitendem. Zudem lassen sich Arbeitsplätze ergonomischer gestalten, da Kommissionierer nicht mehr selbst durch das Lager laufen müssen.
Diesen Vorteilen stehen höhere Investitionskosten für Fördertechnik und Steuerungssoftware gegenüber. Zudem hängt die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems stark von einer funktionierenden Technik ab, weshalb Wartung und Ausfallsicherheit besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Fällt die Fördertechnik aus, kann dies mehrere Kommissionierstationen gleichzeitig betreffen. Ein durchdachter Wartungsplan und geeignete Ausweichprozesse sind deshalb wichtig, um Ausfallzeiten möglichst gering zu halten.
Worauf sollten Unternehmen beim Anbietervergleich achten?
Beim Vergleich von Lager- und Fulfillment-Anbietern lohnt sich die Frage, ob und in welchem Umfang Kommissionierstationen mit Ware-zur-Person-Prinzip eingesetzt werden. Je nach Partner unterscheiden sich die eingesetzten Systeme, die Kommissioniergenauigkeit sowie die Fähigkeit, Auftragsspitzen zuverlässig abzufedern.
Ebenso relevant ist, wie ein Anbieter mit wachsendem Sortiment oder steigendem Bestellvolumen umgeht und ob sich bestehende Kommissionierstationen entsprechend erweitern lassen.
Sinnvoll ist außerdem, nach Kennzahlen wie Kommissioniergeschwindigkeit und Fehlerquote zu fragen, sowie danach, wie ein Anbieter mit technischen Störungen an Kommissionierstationen umgeht.
Bedeutung für Warehousing und Fulfillment
Kommissionierstationen gehören zu den zentralen Bausteinen moderner, effizienter Kommissionierprozesse, insbesondere im E-Commerce-Fulfillment mit hohem Auftragsvolumen. Für Unternehmen ist die eingesetzte Kommissioniertechnik ein wichtiger Hinweis darauf, wie gut ein Lager oder Fulfillment-Zentrum auf hohe Bestellmengen vorbereitet ist.
Gerade bei wachsendem Bestellvolumen zeigt sich, ob ein Lager über ausreichend Kommissionierkapazität verfügt oder ob zusätzliche Stationen beziehungsweise Personal benötigt werden.
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