Ein Kanallager ist eine Lagerform, bei der Waren in langen, hintereinander angeordneten Kanälen gelagert werden, statt in einzelnen Regalfächern. Die Kanäle werden von speziellen Kanalfahrzeugen bedient, die die Einheiten innerhalb des Kanals ein- und auslagern.
Im Vergleich zu Palettenregalen oder Hochregallagern gilt das Kanallager als besonders raumeffizient. Es wird vor allem dort eingesetzt, wo große Mengen weniger unterschiedlicher Artikel gelagert werden, etwa in der Lebensmittel- und Getränkelogistik.

Kanallager werden vor allem in der Lebensmittel- und Getränkelagerung genutzt, wo große Mengen gleichartiger Einheiten anfallen.
Was ist ein Kanallager?
In einem Kanallager werden Einheiten, etwa Paletten oder Gitterboxen, hinter- beziehungsweise nebeneinander in Kanälen gelagert. Jeder Kanal bildet dabei eine eigene Lagerreihe, die von vorne oder von beiden Seiten bedient werden kann.
Statt wie bei klassischen Regalsystemen jeden Lagerplatz einzeln über einen Gang anzufahren, bewegt sich das Kanalfahrzeug innerhalb des Kanals selbst und übernimmt dort das Ein- und Auslagern der Einheiten.
Dadurch entfällt ein Großteil der sonst benötigten Gangflächen zwischen den einzelnen Lagerplätzen. Die frei werdende Fläche kann stattdessen für zusätzliche Lagerkapazität genutzt werden.
Unterschied zu Palettenregal und Hochregallager
Palettenregale bieten einen direkten Zugriff auf nahezu jeden einzelnen Lagerplatz, benötigen dafür aber vergleichsweise viele Gänge und damit Fläche. Hochregallager erhöhen die Kapazität vor allem durch große Lagerhöhen, arbeiten aber ebenfalls mit einzeln zugänglichen Stellplätzen.
Ein Kanallager verzichtet zugunsten der Raumeffizienz auf den direkten Einzelzugriff auf jede Palette. Da mehrere Einheiten hintereinander im selben Kanal stehen, lässt sich in der Regel nur die vorderste beziehungsweise hinterste Einheit direkt entnehmen.
Für Sortimente mit vielen unterschiedlichen Artikeln in kleinen Mengen sind Palettenregale oder Hochregallager deshalb meist besser geeignet, da sie einen flexibleren Zugriff auf einzelne Lagerplätze ermöglichen.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Kanallager besteht aus mehreren parallel angeordneten Kanälen, in denen Einheiten auf Führungsschienen oder Rollen hintereinander gelagert werden. Kanalfahrzeuge, teils auch als Satellitenfahrzeuge bezeichnet, übernehmen den Transport innerhalb der Kanäle.
LIFO-Prinzip
In vielen Kanallagern gilt das LIFO-Prinzip (Last In, First Out): Die zuletzt eingelagerte Einheit wird als erste wieder entnommen. Das eignet sich gut für Artikel, bei denen die genaue Reihenfolge der Entnahme keine große Rolle spielt.
Für Artikel mit begrenzter Haltbarkeit oder speziellen Anforderungen an die Rotation der Ware sind daher zusätzliche Prozesse notwendig, um eine geeignete Chargenreihenfolge sicherzustellen.
Manche Kanallager sind auch für das FIFO-Prinzip (First In, First Out) ausgelegt, bei dem die zuerst eingelagerte Einheit auch zuerst wieder entnommen wird. Solche Systeme sind technisch aufwendiger, da Ein- und Auslagerung meist an unterschiedlichen Enden des Kanals stattfinden.
Praxisbeispiel
Ein Getränkehersteller lagert große Mengen weniger unterschiedlicher Produkte, etwa verschiedene Kisten- und Flaschengrößen eines Sortiments. Da pro Artikel viele Paletten auf Lager liegen, eignet sich ein Kanallager gut, um die verfügbare Lagerfläche effizient zu nutzen.
Jeder Kanal wird dabei einem bestimmten Artikel zugeordnet. Ein Kanalfahrzeug lagert neue Paletten am hinteren Ende des Kanals ein, während bei Bedarf Paletten am vorderen Ende entnommen werden.
Steigt die Nachfrage nach einem bestimmten Artikel saisonal an, etwa bei Getränken im Sommer, kann der Hersteller die betroffenen Kanäle gezielt stärker befüllen, ohne die Lagerstruktur insgesamt verändern zu müssen.
Einsatz in Lagerhaltung, Fulfillment und E-Commerce
Kanallager eignen sich besonders für Sortimente mit wenigen unterschiedlichen Artikeln, die jeweils in großen Mengen gelagert werden. Sie kommen vor allem in folgenden Bereichen zum Einsatz.
- Lebensmittel- und Getränkelagerung
- Lagerung homogener Paletten mit hohem Umschlagvolumen
- Kühl- und Tiefkühllager mit begrenzter Fläche
- Zentrallager mit wenigen, dafür stark nachgefragten Artikeln
- Zwischenlagerung vor der Distribution an Filialen oder Kunden
Im E-Commerce-Fulfillment, das häufig viele unterschiedliche Artikel in kleineren Mengen bearbeitet, ist das Kanallager seltener geeignet und wird meist nur für einzelne, stark nachgefragte Artikel eingesetzt.
In gemischten Lagerkonzepten wird das Kanallager teilweise mit anderen Lagerformen kombiniert, etwa mit Fachbodenregalen für kleinteilige Artikel und Palettenregalen für ein mittleres Sortiment.
Planungsüberlegungen
Vor der Einführung eines Kanallagers sollten Unternehmen prüfen, ob ihr Sortiment und ihre Prozesse zu dieser Lagerform passen.
- Anzahl der SKUs und Menge pro Artikel
- Anforderungen an die Entnahmereihenfolge, etwa bei verderblichen Waren
- Häufigkeit von Ein- und Auslagerungen je Kanal
- Investitionskosten für Kanalfahrzeuge und Regalkonstruktion
- Flexibilität bei Sortimentsänderungen
Da sich Kanäle meist nicht ohne Weiteres kurzfristig anders zuordnen lassen, sollte die Planung auch mittelfristige Sortimentsentwicklungen berücksichtigen.
Auch die Kanaltiefe spielt eine Rolle: Je tiefer ein Kanal ausgelegt ist, desto mehr Einheiten passen hinein, desto länger dauert im Gegenzug aber auch die vollständige Ein- oder Auslagerung aller enthaltenen Einheiten.
Vorteile und Grenzen
Kanallager nutzen die verfügbare Lagerfläche sehr effizient, da im Vergleich zu klassischen Regalsystemen deutlich weniger Fläche für Gänge benötigt wird. Das macht sie besonders attraktiv für Sortimente mit hohem Mengenbedarf pro Artikel.
Dem gegenüber steht ein eingeschränkter Direktzugriff auf einzelne Paletten, da meist nur die vorderste oder hinterste Einheit eines Kanals erreichbar ist. Für Sortimente mit vielen unterschiedlichen Artikeln oder häufig wechselnden Mengen ist ein Kanallager daher weniger geeignet.
Auch technische Störungen an Kanalfahrzeugen können sich stärker auswirken als bei klassischen Regalsystemen, da ein einzelnes Fahrzeug oft mehrere Kanäle bedient und dessen Ausfall die Ein- und Auslagerung in diesen Bereichen beeinträchtigen kann.
Worauf sollten Unternehmen beim Anbietervergleich achten?
Beim Vergleich von Lager- und Fulfillment-Anbietern lohnt sich die Frage, ob und in welchem Umfang Kanallager oder vergleichbare platzsparende Lagerformen eingesetzt werden. Je nach Partner unterscheiden sich die eingesetzten Systeme sowie die Erfahrung mit spezifischen Warengruppen wie Lebensmitteln oder Getränken.
Ebenso relevant ist, wie ein Anbieter mit Anforderungen an Chargenrückverfolgbarkeit und Warenrotation umgeht, insbesondere wenn Artikel mit begrenzter Haltbarkeit in Kanallagern gelagert werden.
Sinnvoll ist außerdem, nach der Flexibilität bei Sortimentsänderungen zu fragen, etwa wie schnell sich Kanäle bei Bedarf anders zuordnen lassen und wie ein Anbieter mit saisonalen Mengenschwankungen umgeht.
Bedeutung für Warehousing und Fulfillment
Kanallager sind eine wichtige Lösung für Unternehmen, die große Mengen weniger unterschiedlicher Artikel platzsparend lagern möchten. Für Warehousing- und Fulfillment-Anbieter ist die Fähigkeit, unterschiedliche Lagerformen wie Kanallager, Palettenregale oder Hochregallager zu kombinieren, ein wichtiges Merkmal ihrer Leistungsfähigkeit.
Gerade in der Lebensmittel- und Getränkelogistik kann die richtige Kombination aus Lagerformen entscheidend dafür sein, wie effizient verfügbare Flächen genutzt werden.
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