Stand: Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 7 Minuten
Kurz zusammengefasst: Eine Fulfillmentrechnung folgt dem Weg der Ware: Wareneingang, Lagerung, Grundpreis pro Auftrag, Picks, Verpackung, Versand, Retouren. Beim eigenen Versand fehlen im Vergleich meist Miete, eigene Arbeitszeit und Spitzen im Dezember. Rechnen Sie Angebote auf Ihr Bestellprofil um und vergleichen Sie einen ruhigen mit einem starken Monat.
Ein Angebot über 1,65 Euro pro Bestellung wirkt teuer, wenn man es neben den eigenen Versand legt, für den scheinbar nur Porto und Karton anfallen. Ob es das wirklich ist, zeigt erst ein Vergleich, der auf beiden Seiten alle Kosten enthält.
Genau daran scheitern viele Vergleiche. Im Angebot stehen Lagerung, Verpackung und Retouren oft in eigenen Zeilen, manche Dienstleister rechnen pro Auftrag, andere pro Artikel. Die eigenen Kosten verteilen sich dagegen auf Miete, Personal, Materialeinkauf und die Arbeitszeit der Geschäftsführung. Zusammengezählt hat sie kaum jemand.
Dieser Artikel zeigt, aus welchen Posten sich Fulfillmentkosten zusammensetzen, welche Kosten im eigenen Versand beim Vergleich regelmäßig fehlen und wie Sie Angebote so umrechnen, dass sie vergleichbar werden. Eine Übersicht typischer Marktpreise finden Sie auf unserer Seite Was kostet Fulfillment?
Inhalt
- Die Posten einer Fulfillmentrechnung
- Was Ihre Fulfillmentkosten nach oben treibt
- Die Kosten im eigenen Versand, die in keiner Rechnung stehen
- Fixe und variable Kosten: der Unterschied bei Schwankungen
- Rechenbeispiel: 800 Bestellungen im Monat
- Fulfillmentkosten vergleichen: acht Fragen an jedes Angebot
- Wann Outsourcing sich für Sie rechnet
- Häufige Fragen zu Fulfillmentkosten
Die Posten einer Fulfillmentrechnung
Fast jede Preisliste folgt dem Weg der Ware durchs Lager. Die Bezeichnungen unterscheiden sich, die Logik bleibt gleich:
| Posten | Übliche Abrechnung | Wovon der Preis abhängt |
|---|---|---|
| Wareneingang | pro Palette, Karton oder Stunde | Palettierte, sortenreine Ware ist schneller eingebucht als gemischte Kartons |
| Lagerung | pro Palettenstellplatz, Fach oder Karton und Monat | Volumen, Lagerart (z. B. Kühlung), Zahl der Artikel im Sortiment |
| Grundpreis pro Auftrag | pro versendeter Bestellung | Auftragsbearbeitung, Label, Übergabe an den Paketdienst |
| Pick | pro entnommenem Artikel oder Position | Artikel pro Bestellung |
| Verpackungsmaterial | pro Auftrag | Kartongröße, Polsterung, eigene Markenverpackung |
| Versand | pro Paket laut Tarif | Gewicht, Größe, Ziel, Express oder Standard |
| Retouren | pro Paket oder Artikel | Prüfaufwand, Wiedereinlagerung |
| Zusatzleistungen | pro Stück oder nach Aufwand | Beilagen, Geschenkverpackung, Sets zusammenstellen |
| Einmalkosten | einmalig | Einrichtung, Anbindung an den Shop |
Dazu kommen bei manchen Anbietern ein Mindestumsatz pro Monat oder eine feste Grundgebühr. Die stehen oft nicht in der Preisliste, sondern im Vertrag. Was Lagerung bei Ihrem Volumen ungefähr kostet, zeigt unser Lagerkostenrechner.
Was Ihre Fulfillmentkosten nach oben treibt
Zwei Shops mit gleicher Bestellmenge können sehr unterschiedliche Rechnungen bekommen. Die Unterschiede entstehen fast immer an denselben Stellen.
Größe und Gewicht der Produkte bestimmen Lagervolumen, Karton und Porto. Ein Shop für Kerzen zahlt anders als einer für Gartenmöbel. Die Zahl der Artikel pro Bestellung verändert die Kosten für das Kommissionieren: Drei Artikel bedeuten drei Entnahmen, aber nur ein Paket. Ein großes Sortiment mit vielen selten verkauften Artikeln belegt viele Lagerplätze, die kaum Umsatz bringen.
Auch die Anlieferung zählt. Wer seine Ware sortenrein auf Paletten schickt, zahlt im Wareneingang weniger als jemand, dessen Lieferant gemischte Kartons ohne Lieferschein schickt. Diesen Posten können Sie oft mit einer Mail an Ihren Lieferanten senken. Bei Mode und Schuhen kommt die Retourenquote dazu. Wo Retourenkosten im Einzelnen entstehen, zeigt unser Artikel zum Retourenmanagement.
Die Kosten im eigenen Versand, die in keiner Rechnung stehen
Beim eigenen Versand gibt es keine Rechnung, die alles auflistet. Deshalb fehlen im Vergleich regelmäßig dieselben Posten:
- Fläche: Miete, Nebenkosten und Versicherung für Lager und Packplatz, auch wenn der Raum „sowieso da“ ist
- Arbeitszeit: die der Aushilfe und Ihre eigene für Wareneingang, Inventur, Reklamationen und Nachbestellungen
- Material: Kartons und Füllmaterial in kleinen Mengen kosten pro Stück mehr als bei einem Lager, das palettenweise einkauft
- Porto: Ein Dienstleister mit dem Volumen vieler Kunden bekommt beim Paketdienst meist andere Konditionen als ein einzelner Shop
- Technik: Etikettendrucker, Waagen, Versandsoftware, Regale
- Spitzen: Überstunden, zusätzliche Aushilfen oder liegengebliebene Bestellungen im November und Dezember
- Fehler: falsch gepackte Pakete, Nachsendungen, verärgerte Kunden
Die eigene Arbeitszeit lassen Gründer am häufigsten weg. Jede Stunde am Packtisch fehlt für Einkauf, Marketing oder Produktentwicklung. Setzen Sie dafür einen realistischen Stundensatz an, auch wenn kein Gehalt fließt.
Fixe und variable Kosten: der Unterschied bei Schwankungen
Ein großer Teil der Kosten im eigenen Lager ist fix. Die Miete bleibt gleich, ob Sie im Februar 400 oder im Dezember 2.000 Pakete verschicken. Fulfillmentkosten sind dagegen überwiegend variabel: Sie zahlen pro Auftrag, pro Pick und für den Platz, den Ihre Ware tatsächlich belegt.
Für Shops mit starker Saisonalität verändert das die Rechnung. In ruhigen Monaten verteilen sich die Fixkosten auf wenige Pakete, und jedes einzelne wird teuer. In der Spitze reicht die eigene Kapazität vielleicht nicht aus. Rechnen Sie Ihren Vergleich deshalb für mindestens zwei Monate: einen ruhigen und einen starken. Wie Sie die Spitze planen, zeigt unsere Checkliste zur Peak Season 2026.
Rechenbeispiel: 800 Bestellungen im Monat
Alle Werte sind fiktiv und zeigen nur den Rechenweg. Ein Shop für Wohnaccessoires verschickt 800 Bestellungen im Monat mit durchschnittlich 1,5 Artikeln. Zehn Prozent kommen zurück. Das Porto ist in beiden Spalten ausgeklammert und wird getrennt verglichen.
| Posten | Eigener Versand | Dienstleister |
|---|---|---|
| Fläche | 600 € Miete Lagerraum | 20 Palettenstellplätze à 10 € = 200 € |
| Kommissionieren und Packen | 4 Min. pro Auftrag = 53 Std. à 18 € = 960 € | Grundpreis 1,20 € + 1,5 Picks à 0,30 € = 1,65 € × 800 = 1.320 € |
| Verpackungsmaterial | 0,70 € × 800 = 560 € | 0,50 € × 800 = 400 € |
| Retouren | 80 × 5 Min. = 7 Std. à 18 € = 126 € | 80 × 2,00 € = 160 € |
| Technik und Software | 50 € | im Grundpreis enthalten |
| Eigene Zeit (Wareneingang, Bestand, Reklamationen) | 10 Std. à 40 € = 400 € | 2 Std. à 40 € = 80 € |
| Summe pro Monat | 2.696 € | 2.160 € |
| Pro Bestellung | 3,37 € | 2,70 € |
In diesem Beispiel liegt der Dienstleister vorn. Fällt das Volumen im Sommer auf 400 Bestellungen, wird der Abstand größer, weil Miete und Technik im eigenen Lager gleich bleiben. Verschickt der Shop dagegen überwiegend große Warenkörbe oder braucht er aufwendige Verpackung, kann die Rechnung anders ausgehen. Deshalb lohnt es sich, sie mit Ihren eigenen Zahlen aufzustellen.
Fulfillmentkosten vergleichen: acht Fragen an jedes Angebot
Liegen Ihnen mehrere Angebote vor, rechnen Sie jedes auf Ihr tatsächliches Bestellprofil um: Aufträge pro Monat, Artikel pro Auftrag, belegte Stellplätze, Retourenquote. Erst dann sind die Zahlen vergleichbar. Klären Sie außerdem:
- Gibt es einen Mindestumsatz oder eine monatliche Grundgebühr?
- Wie lange läuft der Vertrag, und wie ist die Kündigungsfrist?
- Was genau ist im Grundpreis pro Auftrag enthalten, und ab wann kostet jeder Pick extra?
- Wird Lagerplatz pro Monat oder pro Tag abgerechnet, und zählt ein angebrochener Stellplatz voll?
- Wird das Porto zum Einkaufspreis weitergegeben oder mit Aufschlag?
- Gibt es Zuschläge in der Peak Season oder für Wochenendarbeit?
- Was kosten Einrichtung und Anbindung an den Shop, und sind Standardschnittstellen enthalten?
- Wie werden Retouren abgerechnet, und in welcher Frist ist die Ware wieder verfügbar?
Ein Angebot mit niedrigem Paketpreis und hohem Mindestumsatz kann für einen kleinen Shop teurer sein als eines mit höherem Stückpreis ohne Mindestmenge. Worauf Sie bei der Auswahl des Anbieters sonst achten sollten, beschreibt unser Vergleich von 3PL Anbietern.
Wann Outsourcing sich für Sie rechnet
Eine feste Bestellmenge, ab der sich Fulfillment immer lohnt, gibt es nicht. Günstiger wird Outsourcing meistens dann, wenn Ihr Volumen stark schwankt, Ihre eigene Zeit im Lager fehlt, der Lagerraum an seine Grenzen kommt oder Sie bessere Paketkonditionen brauchen, als Sie allein verhandeln können. Teurer bleibt es eher bei sehr großen, stabilen Volumen mit eingespieltem eigenem Team oder bei Produkten, die viel Handarbeit erfordern.
Stellen Sie Ihre eigenen Kosten nach der Tabelle oben für einen ruhigen und einen starken Monat auf. Mit dem Fulfillmentkostenrechner erhalten Sie eine erste Einschätzung für die externe Seite.
Mehrere Angebote, keine Vergleichbarkeit?
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Häufige Fragen zu Fulfillmentkosten
Was kostet Fulfillment pro Bestellung?
Das hängt von Produktgröße, Artikeln pro Bestellung, Lagerbedarf und Versandart ab. Rechnen Sie Grundpreis, Picks, Verpackung und anteilige Lagerkosten zusammen und teilen Sie durch die Zahl der Aufträge. Orientierungswerte für die einzelnen Posten finden Sie auf unserer Seite „Was kostet Fulfillment?“.
Welche Kosten fallen beim Fulfillment an?
Üblich sind Wareneingang, Lagerung, ein Grundpreis pro Auftrag, Kosten pro Pick, Verpackungsmaterial, Versand, Retourenbearbeitung und gegebenenfalls Zusatzleistungen sowie einmalige Einrichtungskosten.
Ab wann lohnt sich Fulfillment Outsourcing?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist der Vergleich Ihrer vollständigen Kosten im eigenen Versand, einschließlich Fläche, Arbeitszeit und Spitzen, mit einem Angebot, das auf Ihr Bestellprofil umgerechnet ist.
Sind Versandkosten im Fulfillmentpreis enthalten?
Meist nicht. Viele Dienstleister berechnen das Porto separat. Fragen Sie nach, ob es zum Einkaufspreis oder mit Aufschlag weitergegeben wird.
Wie kann ich Fulfillmentkosten senken?
Sortenreine Anlieferung auf Paletten, passende Kartongrößen, weniger selten verkaufte Artikel im Lager und eine niedrigere Retourenquote senken die Rechnung. Vergleichen Sie außerdem regelmäßig Angebote.


